„Fusion war der Rettungsanker“

Seit über einem Jahr bilden der SV Süden und Rot-Weiß den gemeinsamen Verein SV Lausitz Forst
In dem kleinen Städtchen Forst gab es, wie in vielen anderen Kleinstädten der Region zu finden, seit vielen Jahrzehnten drei Fußball-Vereine. Sie alle waren stolz auf ihre Tradition, auf ihre Erfolge. Und es gab natürlich die dazugehörende Rivalität zwischen den Vereinen, um die Vorherrschaft in der Stadt.
Das alles war auch bis weit über die Wendejahre hinaus so, doch mit den Jahren veränderte sich das Bild langsam. Es wurde immer schwieriger die Männerteams spielfähig zu halten, im Nachwuchs fehlte, im wahrsten Sinne des Wortes, der Nachwuchs.
Der Abteilungsleiter Fußball beim SV Lausitz Forst, Jürgen Sünder, ein Forster Fußball-Urgestein erinnert sich. „Bei den Männern wurde es immer schwieriger elf Spieler zusammenzubekommen. Die einen waren beruflich unterwegs, andere studierten, viele waren der Arbeit hinterhergezogen. Im Nachwuchs wurstelte jeder für sich, ein Zustand, den wir ändern wollten.“
Die Gedanken für eine Vereinsfusion kamen auf. Ursprünglich war an eine Dreierfusion gedacht, mit  Süden Forst, Rot-Weiß Forst und TV Forst. Die Gespräche verliefen auch recht gut, doch als es dann ernst wurde, stieg TV Forst aus. „Es gab unterschiedliche Gründe dafür, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. Jedenfalls blieben Süden und Rot-Weiß bei der Stange und wir begannen akribisch, die Fusion vorzubereiten“, so Sünder. So wurden in beiden Vereinen Mitgliederversammlungen durchgeführt, wo basisdemokratisch diskutiert und abgestimmt wurde. Meinungsverschiedenheiten wurden ausgeräumt, Argumente abgewogen, das Für und Wider erläutert. Erst nachdem alle Mitglieder darüber informiert waren, kam es zur Fusion. Vorher mussten noch alle satzungstechnischen und vereinsrechtlichen Dinge geklärt werden, auch von juristischer Seite. Auch die Namensgebung war wichtig.  Hier sollten die Vereinsmitglieder Vorschläge machen. Der „blumigste“ war:  Rosenstädter SV Forst.
Auch von der kommunalen Politik wurde Unterstützung signalisiert, namentlich von Bürgermeister Jürgen Goldschmidt (FDP).  Als  alles vorbereitet war, wurde am 20. Mai 2011 die Fusion beider Vereine vollzogen. „Die Fusion war der Rettungsanker für uns“, sagt Jürgen Sünder heute. „Wer weiß, wo wir heute wären, hätten wir das nicht gemacht“, ergänzt der 61-Jährige der für eine Versicherung im Außendienst unterwegs ist und  bis 1985 selbst zwischen den Pfosten des Tores von Süden Forst stand.
Doch mit der Fusion war nicht alles automatisch Friede, Freude,Eierkuchen. „Jetzt ging die Arbeit erst richtig los. Denn immerhin hatten wir nun  390 Mitglieder und standen mit 16 Mannschaften im Männerbereich, vom Nachwuchs bis hin zur Altliga im Spielbetrieb. Acht Teams spielen auf der Anläge des früheren Süden Forst, acht Mannschaften auf dem Platz des früheren Rot-Weiß.  Außerdem gehörten auch noch zum Verein die Abteilungen Volleyball, Handball und Gymnastik.  Bei uns passiert alles ehrenamtlich, das ist auch nicht immer leicht und nicht einfach zu händeln“, sagt Jürgen Sünder. „Aber ohne Fusion“, sagt Jürgen Sünder, „würden wir wahrscheinlich nicht mal mehr in der Kreisliga spielen.“ In jener Kreisliga, in der der SV Lausitz Forst in der vergangenen Saison in 14 Partien auf immerhin insgesamt fast zweitausend Zuschauer  verweisen konnte.
Bei einer Fusion gehören natürlich auch die finanziellen Dinge dazu. Dazu wieder der Abteilunsgleiter Fußball des SV Lausitz Forst: „Auch wenn wir in der Rosenstadt leben, sind wir  finanziell bei weitem nicht auf Rosen gebettet und müssen ganz genau rechnen. Sorgen machen uns natürlich die ständig steigenden Energiekosten für unsere Sportanlagen. Einnahmen kommen bei uns aus Sponsorengeldern, Bandenwerbung, Pachteinnahmen und Mitgliedsbeiträgen. Wir können uns da kein großes Polster anlegen, doch wir kommen irgendwie zurecht. Wichtig war auch, dass wir in unseren Vorstand einen Sponsorenbeauftragten gewählt haben, der sich um solche Dinge kümmert.“
Unter dem Strich kann Jürgen Sünder eine positive Bilanz ziehen: „Die Chemie zwischen den handelnden Personen stimmt, alle ticken auf der gleichen Wellenlänge. Wir handeln bei unserer Fusion nach dem Motto: Vereinte Tradition, vereinte Leidenschaft.“
Beim Landessportbund in Potsdam wird diese Entwicklung wohlwollend betrachtet. Der Mann, der sich beim LSB von Berufs wegen um solche Dinge kümmert, heißt  Ralf Kutzner uns ist Referent für Vereinsverwaltung. „Das Forster Beispiel ist sehr positiv. Auch weil dort alles sehr gut vorbereitet war, bevor die Vereine eine Fusion eingegangen sind“, befindet Kutzner.
Der Mann vom LSB weiß, dass zur Ballung der Kräfte Vereinsfusionen notwendig sind: „Da geht es einfach auch um den Erhalt der Vereine.“ Die Tendenz zu Fusionen in Brandenburg ist leicht steigend, wenn es auch oft noch Vorbehalte gegen so ein Zusammengehen gibt. Seit 2006 gibt es im Fußballbereich Brandenburgs elf Fusionen, zwei in anderen sportlichen Bereichen.  „Fusionen sind aus oben genannten Gründen schon eine  Überlegung wert. Wir als LSB  können da auch helfen und unterstützen. Dass das funktioniert zeigt auch der SV Lausitz Forst.“ Ein Beispiel, das zur Nachahmung empfohlen ist.
Wolfgang von der Burg

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